ERFAHRUNGSBERICHT EINES EHEMALIGEN

AZUBIS

Lena Ortner

Ausbildung abgeschlossen im Jahr 2020, mittlerweile Inspektoranwärterin

ERFAHRUNGSBERICHT AUSBILDUNG BEIM NOTAR

Während der Zeit auf der Fachoberschule hatte ich das Schulfach „Wirtschaft und Recht“, welches schnell großes Interesse bei mir geweckt hat. Daraufhin habe ich angefangen mich zu informieren, welche Ausbildungsberufe es im Rechtsbereich gibt und stieß auf den Ausbildungsberuf zur Notarfachangestellten (m/w/d).

Notar? Was macht ein Notar überhaupt? Naja, wenn ich eine Wohnung kaufen will brauche ich einen Notar. Aber wieso eigentlich? Da mir diese Fragen aus meinem Umfeld niemand beantworten und ich mir unter den täglichen Aufgaben eines Notars nichts vorstellen konnte, habe ich mich kurzerhand für ein Praktikum beim Notar entschieden. Hierbei wurde mir schnell klar, dass ein Notar für wesentlich mehr Dinge als nur für die Abwicklung von Kaufverträgen zuständig ist. Die Arbeit beim Notar deckt eine Vielzahl an Rechtsgebieten ab: Immobilienrecht, Familienrecht, Erbrecht und Gesellschaftsrecht. Tagtäglich werden Kaufverträge, Übergaben, Testamente/Erbverträge, Eheverträge, Grundschulden, gesellschaftsrechtliche Angelegenheiten, Adoptionen, eidesstattliche Versicherungen, General- und Vorsorgevollmachten etc. besprochen bzw. beurkundet. Durch das Praktikum konnte ich erste Erfahrungen sammeln und stellte recht schnell fest, dass die Arbeit in einem Notariat sehr abwechslungsreich und spannend ist. Ich beschloss, die mir angebotene Ausbildung zur Notarfachangestellten (m/w/d) anzunehmen.

In meiner 3-jährigen Ausbildung lernte ich nach und nach alle Tätigkeitsfelder eines Notars kennen. Im ersten Ausbildungsjahr habe ich zunächstdie Grundlagen, wie z.B. das Notarprogramm „ARNOtop“ und die Abläufe im Notariat kennengelernt. Ich habe die Ausfertigung von Urkunden, die Ablage von Urkunden, das Anlegen von Vorgängen, das Verfassen von „einfachen“ Urkunden (wie z.B. Grundschulden oder Vollmachten), den Empfang von Mandanten, die Terminvergabe sowie das Benummern von Urkunden erlernt.

Im zweiten und dritten Ausbildungsjahr erlernte ich das Verfassen von Urkunden, die Bewertung dieser sowie auch die Abwicklung der Urkunden (Vollzug). Ich habe die fachkundigen Mitarbeiter (Privatangestellte wie auch Kassenangestellte) als Assistentin bei den täglich anfallenden Arbeiten unterstützt. Ferner durfte ich bei diversen Besprechungen zuhören. Hierbei kommen die Mandanten erstmalig ins Notariat und tragen ihr geplantes Vorhaben bzw. ihre individuellen Vorstellungen und Wünsche vor. Als Sachbearbeiter hat man u.a. die Aufgabe, diese Vorhaben in juristischer Hinsicht zu prüfen und die denkbaren Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Am Ende des dritten Lehrjahres durfte ich sogar meine erste eigene Besprechung führen.

Neben der praktischen Ausbildung im Notariat findet die theoretische Ausbildung im ersten Ausbildungsjahr in den meisten Fällen einmal pro Woche in einer Berufsschule in der Umgebung und im zweiten und dritten Ausbildungsjahr blockweise in der Berufsschule in München statt. Sofern man eine Unterbringung benötigt, stellt die Notarkasse einen Platz in einem Wohnheim in München zur Verfügung. Die meist vierwöchige Berufsschulzeit in München hat mir viel Spaß gemacht. Ich hatte die Nachmittage meistens frei und konnte so (natürlich neben den Vorbereitungen für anstehende Prüfungen) viele Unternehmungen in München machen.

Für mich ein weiterer Vorteil an der Blockbeschulung ist, dass man sich während des Schulblocks nur auf die Schule konzentrieren kann und dadurch keine Doppelbelastung mit Arbeit und Schule bzw. Prüfungen hat.
In der Berufsschule in München wird man nicht nur von Berufsschullehrern unterrichtet, sondern auch von Angestellten der Notarkasse (z.B. von einem Inspektor im Notardienst) oder auch von Assessoren und Notaren. Diese vermitteln den zu erlernenden Schulstoff mit viel Praxiserfahrung und auch anhand vieler Beispiele aus dem Notariatsalltag.

Nach dem Bestehen der Abschlussprüfung wurde ich von meinen Ausbildungsnotaren übernommen und als fachkundiger Mitarbeiter eingestellt; d.h. ich führe täglich Besprechungen mit Mandanten, bin deren erster Ansprechpartner, schreibe Verträge, bewerte Urkunden und bearbeite den Vollzug der Urkunden. Hierbei gefällt mir vor allem die schrittweise Erarbeitung von Lösungen für die Anliegen der Mandanten wie auch die Erstellung „maßgeschneiderter“ Verträge für diese.

Gleichzeitig mit meiner Anstellung als Notarfachangestellte habe ich mich bei der Notarkasse A.d.ö.R. für das Auswahlverfahren der Inspektoranwärter beworben. Diese berufliche Weiterbildung baut auf dem Ausbildungsberuf der Notarfachangestellten auf. Nach dem Bestehen der schriftlichen und mündlichen Prüfung im Auswahlverfahren wurde ich in das Verzeichnis der Inspektoranwärter aufgenommen. In dieser zweijährigen Weiterbildung erlernt man vor allem vertiefte Kenntnisse in notarspezifischen Rechtsgebieten.

Abschließendes Fazit: Die Vielfältigkeit der Arbeit, das selbstständige Arbeiten und auch die Möglichkeit der Weiterbildung nach abgeschlossener Ausbildung gefallen mir in meinem Beruf sehr. Zusätzlich ist der Beruf der Notarfachangestellten ein sehr krisensicherer Beruf, was vor allem die letzten Jahre der Corona-Pandemie gezeigt haben.